...eingetaucht in die Vergangenheit die Gegenwart genießen...
Vor Jahren - ich war auf der Suche nach einem zweiten Atelier -
fand ich
das Haus in Uigendorf. Damals ein unscheinbares, ramponiertes Häusle,
in
der letzten Nutzung Ausgeding des Hofes Neubrand und seit Jahren
leer
stehend. Es sollte abgerissen werden “über da Haufa gschoba”
wie man
bei uns sagt und über die alten Holunderbäume mit den
guten Hausgeistern
war auch schon das Todesurteil gefällt. Damals, es war 1992,
rollte gerade
eine neue Welle der Zerstörung über unsere Dörfer.
Die Landwirtschaft
schrumpfte mehr und mehr auf einige wenige Großbetriebe zusammen,
wodurch sich die Dörfer in ihrem Erscheinungsbild gewaltig
veränderten.
Es war klar, dass bald kein ursprüngliches Gebäude mehr
zu finden sein
würde.
Das Haus in Uigendorf konnte von diesem Schicksal bewahrt und behutsam
restauriert werden. Die Bauzeit dauerte mehr als 5 Jahre. Die Jagd
nach alten
Fenstern, Balken, Türen, Decken und Fußböden in
Abbruchhäusern wurde
zur großen Passion.
Vieles konnte so gerettet und weiter genutzt werden. Zunächst
wurde das
Fachwerk nach Befund rekonstruiert, neu ausgeflochten und mit dem
klassischen Gemisch aus Lehm, Kuhmist, Sand und Stroh in zwei Schichten
beidseitig beworfen.
Außer der Flechttechnik wurden viele andere Lehmbautechniken
- neue
und alte - angewendet. Lehmwickel, Stampflehm, Holzhackschnitzellehm,
Leichtlehm und die verschiedensten Lehmputze. So konnten wir zum
Beispiel
nach einem uralten Rezept einen wetterfesten Außenputz herstellen,
bei dem
der Lehm in Pferdeurin eingeweicht und etwas Sumpfkalk zugeschlagen
wird.
Später dann die Haustechnik - stromlos und genial. Im Innern
des Hauses
wurde der neuen Nutzung als Atelier durch großzügige,
stockwerkübergreifende Raumgestaltung Rechnung getragen und die Inneneinrichtung
-
alles aus edlem Material - sorgfältig zusammengestellt. Auch
hier stammt vieles
aus Abbruchhäusern. Neues und Altes fügt sich nahtlos
ins Erscheinungsbild.
Das Haus Uigendorf ist so konsequent gebaut und eingerichtet, dass
es, würde
man es heute “über da Haufa schieba”, vollständig
verkompostierbar wäre.
Als nun das Ganze so weit gediehen war, dass es zum geplanten Zwecke,
nämlich als Atelier, genutzt werden konnte, merkte ich, dass
es zu schön
geworden war um darin zu malen. Sie werden es bei Ihrem Besuch selbst
feststellen: Sie stehen nicht nur in einem Haus, sondern in einem
Kunstwerk.

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